Dienstag, 28. Oktober 2014

Krise 2.0

Die Frage ohne Antwort...

Kürzlich habe ich wiedermal die Nachrichten gesehen. Wie üblich handelten 9 von 10 Themen von Krieg, Krankheit oder der leidigen Wirtschaftskrise. "Eh alles nicht so wild", sagte ich mir und versuchte mir hübsch auszumalen, wie mein Leben und meine Heimat in 20-30 Jahren wohl aussehen würden.
Zu meiner Ernüchterung fand ich aber kein blumiges Szenario, sondern einen Turm aus ineinander verkeilten Problemen.
Wie beim Mikado versuche ich nachstehend die Stäbchen/Probleme einzeln aus dem Turm zu ziehen:

Punkt A: Verschuldung

Praktisch alle großen Krisen der Vergangenheit wurden letztendlich durch eine zu hohe Verschuldung ausgelöst. Aktuell befinden wir uns bei den Schulden der Industriestaaten auf einem neuen „all-time-high“ (siehe dazu meinen Blog vom 6. Oktober). Das hat zur Folge, dass die in der Vergangenheit üblichen staatlichen Programme zur Ankurbelung der Konjunktur derzeit unfinanzierbar sind und bleiben. Auch deshalb, weil die Abgabenquote (Stichwort: „tax freedom day“) in Österreich und einigen EU-Staaten mittlerweile unerträglich hoch ist.

Punkt B: Zinsen

Das Zinsniveau ist auf einem historischen Tiefstand. Vordergründig um die Wirtschaft anzukurbeln (Punkt G) und damit die Verschuldung (Punkt A) wieder zu senken. Allerdings bleibt meistens unerwähnt, dass für viele Staaten mittlerweile die Bedienung ihres Schuldendienstes bei höheren Zinsen schlichtweg unfinanzierbar würde. Da wäre die politische Klasse gefordert, die aber überfordert scheint (siehe Punkt H).

Punkt C: Blasen

Wenn Geld zu billig ist, kommen zu viele Leute auf dumme Gedanken. Es werden Dinge gekauft, finanziert, produziert, die sich bei einem „normalen“ Zinsniveau nie rentieren würden. Dadurch entstehen Blasen („asset bubbles“), die wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen hängen und unser Finanzsystem bedrohen – siehe aktuell viele Immobilienmärkte und zum Teil die Aktienmärkte.

Punkt D: Überalterung

Die Bevölkerung der meisten Industriestaaten altert flott vor sich hin. Dadurch ist heute bereits absehbar, dass die Staatsausgaben für unsere Sozialsysteme immer weiter steigen werden und somit die Verschuldung (siehe Punkt A).

Punkt E: Banken

Banken, als finanzielle Drehscheibe der Wirtschaft, wurden nach der letzten Krise 2008 stark reguliert. Das hat u.a. zur Folge, dass sie selektiver in ihrer Kreditvergabe sein müssen. Damit fällt aber ein wichtiger Impuls für Wirtschaftswachstum aus (siehe Punkt G). Schlimmer aber noch ist, dass fast alle Staatsanleihen regulatorisch immer noch als risikolos gelten, d.h. Banken beim Kauf von solchen Anleihen kein Eigenkapital hinterlegen müssen – im Gegensatz zu allen übrigen Krediten oder sonstigen Investments. Was werden die Banken daher mit ihrem Geld machen? Kredite an heimische KMUs vergeben oder lieber, mit Rückendeckung der EZB, risikolose Gewinne lukrieren?

Punkt F: Europäische Zentralbank (EZB)

A propos EZB: Als Hüterin der Euroregion, wird erwartet, dass sie mit Ihrer Geldpolitik das Ruder herumreißt. Nach Ausbruch der Krise hat sie mit beherzten Eingriffen auch das Schlimmste verhindern können. Doch nun ist ihr Pulver verschossen: Die Zinsen sind schon faktisch bei null und alle Geldschleusen weit geöffnet. Gemäß dem ursprünglichen Auftrag der EZB, ist mehr von dieser Seite nicht zu erwarten.

Punkt G: Wachstum

Als die Lösung aus dem Schlamassel wird immer wieder höheres Wirtschaftswachstum angepriesen. Mehr Wachstum bedeutet ein höheres Steueraufkommen = mehr Einnahmen für den Staat = mehr Spielraum für unsere Politiker. Damit würden sich theoretisch alle o.a. Punkte in Wohlgefallen auflösen. Allein, auf der Front tut sich noch immer nix. Im Gegenteil.

Punkt H: Politik

Da die EZB am Ende ihrer (legalen) Möglichkeiten scheint (siehe Punkt F), läge es an den Politikern, Strukturreformen in die Wege zu leiten (Investition in Bildung & Forschung, Arbeitsmarktflexibilisierung), bzw. die ausufernde Staatsverschuldung einzudämmen. Aber dabei gibt es auch immer Verlierer = Wähler mit ihren Stimmen.
Dazu kommt, das viele Politiker mit der aktuellen Situation schlichtweg überfordert scheinen. Folglich passiert auf dieser Front bislang wenig bis nichts Substanzielles.

Punkt I: Ungleichheit

Die Gesellschaft driftet auseinander. Immer weniger besitzen immer mehr. Laut einer aktuellen Umfrage des „Spiegel“ haben 90% der Befragten den Eindruck, dass die Schere „immer weiter auseinandergeht“. So wird die Krise des Kapitalismus langsam auch zum Problem der Demokratie.

Und jetzt meine Frage: Wie kommen wir heil aus diesem Schlamassel wieder heraus?
Vorschläge, Meinungen, Ideen gerne an: Martin Watzka

Ich glaube, dass die größte Chance auf Besserung darin besteht, dass die Bürger die Dinge selber in die Hand nehmen. Für mich persönlich habe ich bereits eine Antwort gefunden und die Crowdinvesting-Plattform dasErtragReich gegründet. Mit dem Ziel, das niemand mehr sein Erspartes im zunehmends außer Kontrolle geratenen Finanzsektor lassen muss. Im Gegenteil, jeder kann durch die Plattform seinen Teil zur Schaffung unserer eigenen Zukunft beitragen – durch ein direktes Investment in seiner Heimat!

Montag, 6. Oktober 2014

Unsere Schuld(en)



Wie die Krise langsam Normalität wird. Und warum das so gefährlich ist.

Kürzlich habe ich an dieser Stelle geschrieben, dass wir uns im Jahr 7 der Finanzkrise befinden, die durch die Überschuldung vieler Industriestaaten und deren Bürger ausgelöst wurde. Wie stehen wir eigentlich heute da?

2007, also kurz vor der Krise, betrugen die weltweiten Schulden der Staaten beachtliche

USD 107 Billionen
(in etwa das, was Österreich in einem Zeitraum von rund 300 Jahren an Gütern und Dienstleistungen hervorbringt).

In den folgenden Jahren ist dank der regelmäßig kommunizierten (aber selten umgesetzten) Sparanstrengungen der Regierungen viel geschehen, sodass der globale Schuldenstand per Ende 2013 nicht gesunken, sondern vielmehr auf beängstigende

USD 150 Billionen
 (Österreichs Wirtschaftsleistung von rund 460 Jahren)
angestiegen ist (Quelle: BIZ). Und Österreich ist wie immer gut dabei. Unser Schuldenstand (in % des BIP) ist von 64,8% (2007) auf aktuell deutlich über 80% gestiegen (Quelle: Statistik Austria).
Rechner
Man könnte jetzt sagen, gut, die Schulden des einen ist das Vermögen des anderen. Es saldiert sich letztlich alles auf null. Aber Fakt ist, dass Schulden und Vermögen global gesehen immer ungleicher verteilt sind. In diesem Artikel des „Spiegel Online“ wird angeführt, dass Spanien 2006 Schulden außerhalb des Landes von 860 Milliarden Dollar hatte, heute sind es 1,4 Billionen. Brasilien: damals 350 Milliarden, heute 750. Indien: damals 180 Milliarden, heute 480. Ach ja: Spitzenreiter USA hatte damals knapp 2 Billionen Dollar Auslandsschulden, heute sind es 5,7 Billionen.

Wer sind die Gläubiger? 
Allen voran Japan bzw. China. An dritter Stelle liegt Deutschland, das Forderungen von USD 1,7 Billionen – knapp 50 % der deutschen Wirtschaftsleistung – am Rest der Welt hält. Fällt einer der großen Schuldner aus, kommen Dinge auf uns zu, gegen die die jetzige Krise nur ein Mailüfterl war.
Die größte Hoffnung der Staaten (=Politiker) und der EZB (Europäische Zentralbank) liegt auf dem Wirtschaftswachstum und der Inflation. Mit Hilfe dieser beiden Kräfte könnte eine Entschuldung gelingen. Doch diese Hoffnung blieb bis dato unerfüllt. Das Wirtschaftswachstum der EU lag 2013 bei 0,1%, die EU-weite Inflation bei 0,5%. So verschärft sich die globale Schieflage immer weiter.

Was kann man als Bürger dagegen tun?
Splitten Sie Ihr Geld, insbesondere Sparbücher und Festgelder, und ziehen Sie es aus dem Bankenkreislauf ab. Investieren Sie besser in reale und produktive Werte. Dafür bieten sich einerseits Aktien großkapitalisierter Unternehmen bzw. Direktinvestitionen in regional verankerte Betriebe an.
Warum?

Es gibt viele rationale Gründe wie Streuung, Rendite, Werthaltigkeit, etc. dafür. Der banalste aber ist, dass jeder Staat Wirtschaftswachstum und eine niedrige Arbeitslosigkeit braucht, damit die jeweilige Regierung an der Macht bleibt. Somit ist eine florierende heimische Wirtschaft im ureigensten Interesse der Politiker – und daher ein ausgezeichneter Krisenschutz für Ihre Unternehmensveranlagungen.

Sie haben die freie Wahl, Ihr Erspartes in zukunfts- und ertragreiche Produkte zu veranlagen.
Und um den Autor des „Spiegel Online“ Artikels zu zitieren: "Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt…"
dasertragreich.at