Donnerstag, 2. April 2015

Da war doch noch was...

Im Jubel und Trubel der größten Marketing-Steuerreform der 2. Republik sind doch glatt ein paar Nebensächlichkeiten untergegangen. Das wollen wir ändern.

Oft wird über das bescheidene Finanzwissen von Herrn und Frau Österreicher - nicht ganz zu Unrecht - geschrieben. Immerhin: Da es in Österreich mehr Sparbücher als Einwohner gibt, weiß praktisch jeder, was ein Sparbuch ist. Und dass es sicher ist, weil ja der Staat für jeden Sparer mit bis zu EUR 100.000 einspringt, sollte in Österreich eine Bank des Vertrauens über den Jordan gehen (man spricht auch von der "Einlagensicherung").

All jenen, die das noch immer so sehen, sei diese Meldung des Standards ans Herz gelegt. Dort erfährt man, dass die Segnungen der Steuerreform nicht nur im Geld verteilen (das noch nicht gegenfinanziert wurde) liegt. Nein, es wurde auch von der Regierung beschlossen, dass ab Juli 2015 die Republik nicht mehr für Spareinlagen gerade stehen muss.
Österreich: Ein Volk der Sparer
Österreich: Ein Volk der Sparer


Im Zuge der Steuerreform wurde praktischerweise gleich ein Gesetz vom Nationalrat verabschiedet, der mit diesem Relikt aus der Nachkriegszeit aufräumt.

Gut, als Ersatz sind Österreichs Banken verpflichtet einen Einlagensicherungsfonds aufzubauen. Schon 2024 - also in 9 Jahren - wird dieser mit EUR 1,5 Mrd (Anmerkung: die Summe der österreichischen Spareinlagen liegt bei rund EUR 130 Mrd.) dotiert sein, also einem stolzen Prozent (1%) aller Spareinlagen. Bis dahin wird schon nix passieren.

A propos "nix passieren". Das Geld liegt ja bekanntlich auf der Strasse. Dank unserer Europäischen Zentralbank, kann auch Europa endlich wieder mit neuen Rekorden aufwarten: So sind seit dem Start des Anleihenankaufsprogramms der EZB vor rund 4 Wochen EUR 19 Mrd. in den Aktienmarkt bzw. Anleihenmarkt geflossen. Soviel, wie noch nie zuvor in so einem kurzen Zeitraum. Mittlerweile liegen insgesamt EUR 2,4 Billionen in Staatsanleihen, die eine negative Rendite (!) abwerfen.

Und während in den Medien diskutiert wird, ob jetzt eine Deflation oder doch Inflation kommt, steigen die Vermögenspreise immer weiter.

Vermögenspreisinflation in Deutschland
Vermögenspreisinflation in Deutschland (Quelle: Flossbach von Storch Research Institute)
 
Alles Symptome eines Finanzsystems, dass aus den Fugen zu geraten droht. Allein aus dieser Tatsache ist es für jeden Sparer essentiell nochmals (oder erstmals) darüber nachzudenken, wo man sein Erspartes veranlagt und wem man sein Geld anvertraut.


Ihr

Martin Watzka

PS: Selbst die beste aller heimischen Steuerreformen hat ihre heiteren Seiten, wie dieses "Interview" der Tagespresse beweist. 

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