Donnerstag, 1. Dezember 2016

Nicht meine verdammte Krise

Wir glauben regelmäßig, dass wir in bewegten Zeiten leben. Dabei waren sie schon immer bewegt. Nur haben wir das (mangels Internet) nie mitbekommen. Deshalb beginnt dieser Blogeintrag mit fantastischen Nachrichten.

Wussten Sie, dass

- wir das Glück haben, solange zu leben, wie nie ein Mensch zuvor?
- es niemals in der Geschichte der Menschheit so wenig Armut gegeben hat?
- der Terrorismus, global betrachtet, auf dem Rückzug ist?
- Menschen niemals zuvor dermaßen wohlhabend waren, wie Sie und ich?

(Die Charts dazu findet man hier.)

Und dennoch, egal welches Medium (digital, TV oder Print) man konsumiert, man könnte den Eindruck bekommen, rund um uns herum ist gerade die Kacke am Dampfen, wie nie zuvor. Wo man hinschaut, Krisen:

    - Politikkrise
    - Flüchtlingskrise
    - Finanzmarktkrise
    - Staatsschuldenkrise
    - Wirtschaftskrise
    - Krieg (der hatte als einziger noch nie eine Krise, aber immer Konjunktur)

Alles wird schlechter. Das freut das morbide Herz des Österreichers, der es „eh schon immer gewusst hat“. Und auch die Medien surfen lustvoll auf der Welle und kämpfen mit ihren Schlagzeilen um unsere kurze Aufmerksamkeit. Highlight war vor kurzem die Seite 1 Schlagzeile im Gratis U-Bahn Blatt „HEUTE“:  „Pfarrer in Volksschule: Es gibt kein Christkind!“.

Angesichts dieses Musterbeispiels einer vollends sinnbefreiten Nachricht auf Facebookniveau, erkennt man die Verzweiflung der etablierten Medien. Hier übrigens der Link, für die, die das nicht glauben können (ging mir auch so).

Die Folge von all dem ist jedoch, dass immer mehr Menschen pessimistisch in die Zukunft schauen. So glauben, lt. einer Studie, rund 65 % der Menschen der G7 (d.s. die 7 reichsten Länder der Welt), dass es ihren Kindern schlechter gehen wird, als ihnen selbst. All das führt uns Schritt für Schritt in eine desaströse Abwärtsspirale, die in einer selbsterfüllenden Prophezeiung mündet. Dabei geht es uns so gut, wie noch nie (hier 10 interessante Charts als Beweis)!

Wie passt das alles zusammen? Hier ist meine eigene, kleine Sandkastenthese in 10 (Eskalations-)Schritten:

1. Das quantitative Wachstum (d.h. mehr Ressourcen, mehr Profit, mehr Konsum) geht langsam zurück. Warum überhaupt? Nun alles, womit wir Menschen zu tun haben auf der Erde ist endlich, Rohstoffe, Luft, Wasser, Energie. Und dementsprechend auch das Wachstum, das darauf aufbaut. Klar, oder?

2. Das Einkommen der arbeitenden Bevölkerung stagniert.

3. Relativ steigende Arbeitskosten in der Produktion, v.a.  aufgrund von Steuern & Abgaben, belasten Unternehmen, die sich folglich nach Alternativen in Billiglohnländern umsehen.

4. Die Produktion wird in Länder (Osteuropa, Asien) ausgelagert, wo die Arbeitskosten niedriger und die Regulierungstandards niedriger sind.

5. Die Produkte werden billiger! Wir können uns wieder mehr leisten, obwohl unser Einkommen nicht wächst.

6. Die Internationalisierung der Kapitalströme aufgrund der globalen Vernetzung lässt die Zinsen fallen (siehe OECD Chart).
Damit wird die Möglichkeit sich zu verschulden, um weiter zu konsumieren und die eigenen Lebensziele zu erreichen, einfacher.

7. Die Schuldenblase platzt 2008. Das Wirtschaftswachstum kommt zu erliegen. Unternehmen müssen sparen, weitere Arbeitsplätze fallen weg. Zuerst, wie immer, die Minderqualifizierten.

8. Die Digitalisierung setzt ein und ermöglicht wieder lokale Innovation und Produktion (Schlagwort: Industrie 4.0) aber mit DEUTLICH geringerem Arbeitseinsatz der Menschen. Ohne entsprechende Ausbildung droht vielen die Gefahr, durch Maschinen ersetzt zu werden. Das gilt mittlerweile zum Teil auch für klassische Bürojobs.

9. Immer mehr Menschen fallen in diesem System durch den Rost. Sie sind zunehmend frustriert, fühlen sich aufgrund der Dynamik der Veränderung und der Globalisierung vom Staat im Stich gelassen und ohnmächtig. Oft sehen sie kein materielles Weiter-, bzw. Auskommen mehr. Der globale Wettbewerb, in dem wir alle – mehr unbewusst, als bewusst – stehen, fordert. Er bringt für die Industriestaaten das (vorläufige) Ende des „automatisch“ stetig steigenden Wohlstandes. Auf der anderen Seite profitieren viele arme Regionen und Länder (China, Indien, Indonesien, Südamerika) von den Chancen der Globalisierung. Ihr Wohlstand steigt.

10. Die Verschuldung im Westen bei Privaten und auch Unternehmen ist mittlerweile ungesund hoch. Aber jetzt kommen auch die Staaten an ihre Grenzen. Weil sie seit 50 Jahren unfähig sind, weniger auszugeben, als sie einnehmen können sie ihre Schulden bei normalen Zinssätzen nicht mehr bedienen. Deshalb bleiben die Zinsen niedrig, bzw. nahe Null. Allfällige Probleme werden mit Geld aus der mittlerweile elektronischen Geldpresse zugeschüttet. Das System ist aus dem Gleichgewicht: Der Schuldner wird belohnt, alle die Vermögen auf der Seite haben, zahlen über die Geldentwertung („finanzielle Repression“).

10. Die Folge: Verdruß und Wut in der Gesellschaft. Populistische Akteure wie Trump, Hofer, LePen, AfD steigen auf.

Die neuen Medien agieren mit den permanenten und oftmals nicht verifizierten Gschichteln (als Nachrichten getarnt) als Brandbeschleuniger. Warum? Mehr Traffic, mehr Views bedeuten höhere Werbeinnahmen = mehr Geld.

Als „Tüpfelchen auf dem i“ schlagen sich Religionsfanatiker im Nahen Osten (mit westlichen Waffen) seit Jahren die Schädel ein, wodurch 65 Mio. Flüchtlinge (auch so viel, wie nie zuvor) zwischen Stockholm und Kabul auf der Suche nach einer sicheren Bleibe sind. Hier ein paar Charts des UNHCR, die man so in heimischen Medien noch nie gesehen hat.

Was soll man machen?
Das einzige was man machen soll, ist das was man machen kann: Bei sich selbst anfangen.

Nicht abschotten, sondern sich um die eigene Ausbildung bzw. die Ausbildung der Kinder kümmern. Nicht ausgrenzen, sondern Pluralität zulassen und Leuten eine Chance geben. Aber ohne als „Gutmensch“ abgestempelt und ausgenützt zu werden. Alle müssen in die Hände spucken, dann können wir auch wieder optimistisch in die Zukunft schauen und genießen, dass es in Europa noch nie so lange keinen Krieg gegeben hat und wir so viel Freizeit haben, wie keine Generation jemals zuvor.  

Montag, 26. September 2016

Unsere Arbeit von morgen

Es war dieses Jahr im April, als wir mit „dasErtragReich“ die Crowdinvesting-Kampagne für Spörk Antriebssysteme planten. Bei einem der Gespräche mit dem Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens kamen wir auf die nächste industrielle Revolution (Industrie 4.0) zu sprechen. Als Betroffener zeigte er sich verwundert darüber, dass der Begriff in aller Munde ist,  insbesondere in der Politik, es aber wenig konkrete Aktivitäten gibt.

Was heißt Industrie 4.0?
Im Grunde geht es bei diesem Begriff um die Digitalisierung und Automatisierung, die immer mehr Bereiche und Branchen, von der Produktion bis hin zum Dienstleistungssektor, erfasst. Obwohl viele den Untergang des Abendlandes sehen, ist die Digitalisierung "nur" Teil eines Transformationsprozess, der mit der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert begonnen hat und dessen Veränderungen tief in die Gesellschaft reicht.

Was für Veränderungen?
Ein Beispiel: Es ist eine Tatsache, dass immer weniger Menschen Zeitungen und Zeitschriften kaufen, weil sie sich die Informationen über das Internet holen. Das hat unmittelbare Auswirkung auf
- die Verlage (die sie herausgeben),
- die Druckereien (die sie drucken),
- die Spediteure (die sie transportieren),
- die Trafiken (die sie verkaufen) und letztlich
- die Mitarbeiter dieser Firmen, die nicht mehr gebraucht werden.

Fakt ist, dass in vielen Branchen die großen Unternehmen bereits an der Digitalisierung von unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen arbeiten, die bislang von Menschen erledigt wurden und enorme Produktivitätssprünge, sprich Kosteneinsparungen, ermöglichen.

Was geht ab? Die 4 Megatrends der Industrie 4.0
Zur Zeit kristallisieren sich vier große Trends heraus.

-    Selbstfahrsysteme: In ein paar Jahren werden selbständig steuernde Transporter, Taxi und Lkw-Fahrer, Post und Paketboten ersetzen. Uber ist nicht über USD 60 Milliarden wert, weil es die Billigvariante eines Taxiunternehmens ist. Ziel waren immer autonome Autos, nur so wird ein Schuh daraus.

-    Robotisierung: Die oft zitierten 3D-Drucker sind ein bekanntestes Beispiel dafür. In ein paar Jahren braucht es kein Zahntechniklabor mehr. Denn der Zahnarzt druckt das Inlay gleich bei sich in der Praxis. Anderes Beispiel: früher bestanden Einspritzdüsen für Flugzeuge aus 20 Teilen. Heute druckt General Electric die Teile selbst. Und zwar schneller, billiger, robuster als je zuvor.

-    Deep Learning: Der lernende Computer. Stellen Sie sich vor, Sie sind zur Routinekontrolle beim Arzt und es ist ein Schatten auf Ihrem Lungenröntgen zu sehen. Wem trauen Sie als Patient eher zu zu beurteilen, ob der Schatten etwas Gefährliches wie ein beginnender Krebstumor sein könnte?  Einem Oberarzt mit 20 Jahren Berufserfahrung (und einer 80 Stunden Woche), oder einer Big-Data-Datenbank mit Röntgenbildern von tausenden Patienten und somit dem Wissen von 1000 Oberarzt-Jahren? Es gibt sogar einen Begriff dafür: „digitale Diagnostik“.

-    Gig-Economy: Freie Mitarbeiter und Ein-Personen-Unternehmen suchen auf virtuellen Plattformen nach Aufträgen. Unternehmen schreiben sie global aus. Bei IBM passiert das bereits. Was für die Unternehmen viel Sinn macht, ist für die Arbeitswelt wenig romantisch, denn letztlich dann jeder Arbeitnehmer in einem weltweiten Wettbewerb um Arbeit.

Diese digitalen Trends werden unsere Wirtschaftsstrukturen für immer verändern. Als Folge werden viele Arbeitsplätze verloren gehen, aber auch viele, völlig neue Berufe entstehen. Zwei Dinge werden dabei für jeden einzelnen von uns entscheidend sein:

1) Erkenne ich rechtzeitig, wie ich bzw. mein Unternehmen von der Digitalisierung betroffen bin?

2) Bin ich für diese Veränderung ausreichend qualifiziert bzw. bin ich gewillt, mich weiterzubilden?


Im Grunde gilt der Spruch noch immer, dass Wissen Macht ist. Heutzutage muss man aber hinzufügen, dass die Halbwertszeit von Wissen immer kürzer wird. D.h., unser heutiger Wissenstand veraltet aufgrund der rasanten Entwicklung der Digitalisierung immer schneller.

Man kann dazu stehen, wie man möchte, jedoch ist dieser Trend der Digitalisierung unaufhaltsam. Wie bei jeder Veränderung gilt auch hier: entweder man fürchtet sich davor, oder man ist neugierig, was für spannende Dinge auf uns in der Zukunft warten.

Was zum Nachdenken anregen sollte ist allerdings, dass a) die heimische Politik bei diesem Thema versagt und b) auch unser Schulsystem unsere Kinder auf diese Entwicklung so gar nicht vorbereitet. Jeder ist auf sich gestellt, bzw. hat sein Schicksal in der Hand.
 
Was kann man tun?Die beste Voraussetzung, um auch in der Arbeitswelt von morgen gefragt zu sein, ist zum Einen eine solide Ausbildung (was das Schulsystem halt bietet) und, fast noch wichtiger, offen zu sein für Neues verbunden mit der Bereitschaft Neues zu lernen, egal wie alt man ist.

Denn die gute Nachricht ist: Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt mit einem enormen Bildungsangebot. Jeder von uns hat auch künftig alle Chancen, in der Arbeitswelt von morgen erfolgreich zu sein.

Und wer es dem Zeitgesit entsprechend, modern (=digital) haben möchte, kann gleich bei einer der akkreditierten Online-Universitäten vorbeischauen.

Freitag, 11. März 2016

Das Ende des Zinses – und was es für uns bedeutet

Am 10. März hat ein neues Geld-Zeitalter begonnen: Die europäische Zentralbank (EZB) hat den Zins (= Preis des Geldes) de facto abgeschafft. Mit anderen Worten, Banken können sich von nun an kostenlos Geld bei der EZB borgen, soviel sie wollen. 

Es ist ein gefährliches Spiel mit dem Vertrauen in den Euro, das die EZB da treibt, mit ungewissem Ausgang. Jetzt schon müssen die (Anleihe)Gläubiger der Republik Österreich Geld zahlen(!), wenn sie unserem Staat Geld borgen. Konkret bis zu einer Laufzeit von 5 Jahren.

Zusätzlich werden monatlich EUR 80 Milliarden an Staatsanleihen von der Zentralbank gekauft werden – um noch mehr Geld ins System zu pumpen. Geld, dass die EZB aus dem "Nichts" erschafft. Paradiesische Zustände für Staaten, wie Österreich, weil sie munter neue Schulden machen können, die von der EZB dann als Anleihe gekauft werden, egal wie verschuldet der jeweilige Staat bereits ist. (pers. Anmerkung: Wer sonst gibt jemanden sein Geld und zahlt sogar noch dafür?)

Die Frage, die man sich als Bürger stellen sollte ist, was passiert mit einer Ware, wie Geld, die weniger wird, wenn man sie besitzt und man auf der andern Seite (fast) gratis borgen kann? Antwort aus der Praxis: Entweder gibt man es gleich aus, oder man kauft damit etwas, das einen vermeindtlich beständigeren Wert hat, wie z.B. Immobilien oder auch Aktien

Wenn man diese Fakten konsequent zu Ende denkt, merkt man, dass das letzten Endes nicht gut gehen kann.

Seit Beginn der Finanzkrise vor mittlerweile 8 Jahren herrscht mehr Ernüchterung und Ratlosigkeit, denn je zuvor. Denn trotz der Abschaffung der Zinsen, dem vielen Gratisgeld für Banken, der de facto Übernahme von Staatsschulden durch die EZB durch Anleihekäufe, 

a) produziert Europa immer noch weniger Güter und Dienstleistungen als 2008,
b) sind die Staatschulden der meisten EU-Staaten so hoch wie noch nie seit dem Ende des 2. Weltkriegs.
c) liegt die Inflationsrate nahe 0% 

Was bedeutet das für mich, als Anleger?
1. Praktisch alle klassischen Sparformen sind wegen des Nullzinsumfeldes nicht rentabel. Wer erspartes Geld auf zinstragenden Produkten liegen hat, verliert es schleichend. 

2. Beispiel Lebensversicherung: Die staatlich garantierte Mindestverzinsung liegt aktuell bei nur 1 % p.a. (in den 1990ern waren es noch 4 % p.a.). Schlimmer noch ist die Tatsache, dass die Mindestverzinsung sich aber nur auf das von Ihnen einbezahlte Kapital abzüglich rund 10-15 % Spesen/Kosten bezieht. Mit anderen Worten: Nach 15 Jahren Laufzeit bekommen Sie Dank der Mindestverzinsung in etwa Ihr einbezahltes Kapital wieder zurück. Die einzigen, die dabei verdienen sind Ihre Versicherung und Ihr Makler.

Was kann ich tun?

Zum einen, akzeptieren, dass es keine risikolose Geldanlage mehr gibt. Selbst das Sparbuch nicht - siehe auch dazu unseren Blog über das Ende der staatlichen Einlagensicherung. Folglich bleibt einem nichts anderes übrig, als das Ersparte in verschiedene Anlagen aufzuteilen und sich ein wenig mit Ihren Finanzen auseinandersetzen. Tun Sie es nicht, riskieren Sie Ihre Altersvorsorge.

Das heißt konkret: behalten Sie einen Liquiditätspolster auf dem Sparbuch, für Notfälle und dergleichen. Den Rest investieren Sie in Anlagen mit höheren, zinsunabhängigen Ertragschancen wie Aktien, Sachwerte oder Beteiligungen. Da diese zwangsläufig auch ein höheres Risiko mitbringen, Geld möglicherweise zu verlieren, ist die Streuung hier das oberste Gebot. Haben Sie bislang keine Erfahrung mit diesen Produkten, ziehen Sie einen unabhängigen Fachmann zu Rate (d.h. keinen Bankmitarbeiter).

Als Anleger hat man heutzutage keinen Ertrag mehr, sein Geld einfach möglichst lange auf der Bank liegen zu lassen. Aber Geld muss arbeiten. 

Die Lösung: Investieren Sie es so, dass es bzw. jemand damit arbeitet und etwas schafft. Ein neues, wie bankenunabhängiges Beispiel dafür ist Crowdinvesting à la dasErtragReich. Dort kann man als Privatanleger in erfolgreiche, heimische Unternehmen mit Kapitalbedarf investieren. Eine sinnvolle und überaus spannende Chance für eine persönliche, regionale und profitable Finanzanlage.

Mittwoch, 6. Januar 2016

Weil morgen heute schon gestern ist

Österreich ist, wie schon mehrfach in diesem Blog erwähnt, eines der reichsten Länder der Welt. Gesegnet mit einer sauberen wie schönen Umwelt und reichlich Wasser liegen wir auch in Punkto Lebensqualität ganz weit vorne in den Statistiken.
Das ist die schöne Seite.

Die andere, nicht ganz so idyllische, zeigen folgende Kennzahlen:
  • Wirtschaftswachstum: Seit 2012 de facto Stillstand, Letztstand 2015: 0,8%
  • Arbeitslosigkeit: stetig steigend. Laut den aktuellsten Zahlen der WKO liegen wir auf einem Nachkriegsrekordwert von 9,1 % (nationale Berechnung).
  • Staatsverschuldung: Rekordwert von 84,2 % (Statistik Austria). Zur Erinnerung: das Maastricht Kriterium liegt eigentlich bei 60 % - was derzeit nur von Luxemburg, Schweden, Dänemark und ein paar osteuropäischen Mitgliedsstaaten eingehalten wird.
Diesen Rucksack voller Hypotheken tragen wir schon heute auf unserem Weg in die Zukunft mit uns. Andersrum formuliert: Wir haben Schulden in der Zukunft gemacht, um unseren heutigen Wohlstand zu finanzieren. Dabei haben wir noch das Glück neben der Konjunkturrakete Deutschland zu liegen, dass uns wirtschaftlichen Rückenwind beschert.

Nüchtern betrachtet muss man aber klar sagen, wollen wir unseren Wohlstand in der Zukunft erhalten, müssen wir schon heute das Fundament legen.

Die vierte industrielle Revolution. Wir stehen am Anfang der vierten industriellen Revolution, auch Industrie 4.0 genannt. Die erste industrielle Revolution war die Einführung des mechanischen Webstuhls im Jahr 1784. Ab 1870 setzte die zweite mit Beginn der Massenfertigung und der Elektrifizierung ein.
Die dritte industrielle Revolution wurde durch die Automatisierung ab 1969 ausgelöst.
Und jetzt erleben wir Industrie 4.0, sprich das Internet der Dinge. Mit anderen Worten, die globale Vernetzung der Maschinen. Das bedeutet, mehr Produktivität, mehr Umsatz, aber gleichzeitig auch weniger (menschliche) Arbeitsplätze. Ein Beispiel dazu: Bei Volkswagen kostet heute ein Produktionsroboter drei bis sechs Euro je Stunde, ein VW-Arbeiter das Zehnfache! Die Folge: Innerhalb der nächsten 20 Jahre wird es in den VW Werken keine Menschen mehr in der Montage geben.

Hire oder Fire? Wie immer, wird es auch bei der Industrie 4.0 Gewinner und Verlierer geben. Und es gibt ein einziges wichtiges Entscheidungskriterium dabei: die Bildung.
Darum und für unseren künftigen Wohlstand gilt es sich jetzt mit dem Thema auseinanderzusetzen. Nicht weil es uns den Himmel auf Erden bringt. Sondern weil es unausweichlich kommen wird.

Dementsprechend braucht es einen Masterplan, der die richtigen Initiativen in Bildung, Forschung und auch Sozialpolitik setzt. Denn nicht nur die heutige Jugend wird davon betroffen sein, sondern praktisch alle Berufstätigen, die noch zumindest 10-15 Jahre arbeiten müssen (Anm.: Wer weiß heute schon, wann er in Pension gehen kann bzw. darf? Hier ein Artikel zum Haareraufen.)

Es gibt schon heute Studien die besagen, dass aufgrund von Industrie 4.0 rund 50 % der heutigen Jobs einfach wegfallen werden. Dass wir in Österreich noch weit weg von dieser Erkenntnis sind, zeigt allein unser Steuersystem. Rund zwei Drittel der Steuereinnahmen stammen aus der Lohnsteuer (=Arbeit).

Man ist Realist genug, um von der Politik hier wenig Substanzielles zu erwarten. Meiner Meinung nach wird in unserer globalisierten und vernetzten Welt die Initiative und der Impuls von der Wirtschaft selbst kommen müssen.

Zum Glück haben wir in Österreich seit kurzem den gesetzlichen Rahmen, um die heimische Wirtschaft mit privatem Kapital zu versorgen. Ein Großteil dieses privaten Kapitals liegt aber unproduktiv und nahezu unverzinst auf Bankkonten.

Zutaten für den wirtschaftlchen Erfolg von morgenDie Zutaten wie Kapital, Know-How, sozialer Frieden und stabile politische Verhältnisse, die Österreich braucht, um sich auch in der computerisierten Welt von morgen behaupten zu können, sind vorhanden.

Nutzen wir sie bestmöglich. Jetzt.