Mittwoch, 6. Januar 2016

Weil morgen heute schon gestern ist

Österreich ist, wie schon mehrfach in diesem Blog erwähnt, eines der reichsten Länder der Welt. Gesegnet mit einer sauberen wie schönen Umwelt und reichlich Wasser liegen wir auch in Punkto Lebensqualität ganz weit vorne in den Statistiken.
Das ist die schöne Seite.

Die andere, nicht ganz so idyllische, zeigen folgende Kennzahlen:
  • Wirtschaftswachstum: Seit 2012 de facto Stillstand, Letztstand 2015: 0,8%
  • Arbeitslosigkeit: stetig steigend. Laut den aktuellsten Zahlen der WKO liegen wir auf einem Nachkriegsrekordwert von 9,1 % (nationale Berechnung).
  • Staatsverschuldung: Rekordwert von 84,2 % (Statistik Austria). Zur Erinnerung: das Maastricht Kriterium liegt eigentlich bei 60 % - was derzeit nur von Luxemburg, Schweden, Dänemark und ein paar osteuropäischen Mitgliedsstaaten eingehalten wird.
Diesen Rucksack voller Hypotheken tragen wir schon heute auf unserem Weg in die Zukunft mit uns. Andersrum formuliert: Wir haben Schulden in der Zukunft gemacht, um unseren heutigen Wohlstand zu finanzieren. Dabei haben wir noch das Glück neben der Konjunkturrakete Deutschland zu liegen, dass uns wirtschaftlichen Rückenwind beschert.

Nüchtern betrachtet muss man aber klar sagen, wollen wir unseren Wohlstand in der Zukunft erhalten, müssen wir schon heute das Fundament legen.

Die vierte industrielle Revolution. Wir stehen am Anfang der vierten industriellen Revolution, auch Industrie 4.0 genannt. Die erste industrielle Revolution war die Einführung des mechanischen Webstuhls im Jahr 1784. Ab 1870 setzte die zweite mit Beginn der Massenfertigung und der Elektrifizierung ein.
Die dritte industrielle Revolution wurde durch die Automatisierung ab 1969 ausgelöst.
Und jetzt erleben wir Industrie 4.0, sprich das Internet der Dinge. Mit anderen Worten, die globale Vernetzung der Maschinen. Das bedeutet, mehr Produktivität, mehr Umsatz, aber gleichzeitig auch weniger (menschliche) Arbeitsplätze. Ein Beispiel dazu: Bei Volkswagen kostet heute ein Produktionsroboter drei bis sechs Euro je Stunde, ein VW-Arbeiter das Zehnfache! Die Folge: Innerhalb der nächsten 20 Jahre wird es in den VW Werken keine Menschen mehr in der Montage geben.

Hire oder Fire? Wie immer, wird es auch bei der Industrie 4.0 Gewinner und Verlierer geben. Und es gibt ein einziges wichtiges Entscheidungskriterium dabei: die Bildung.
Darum und für unseren künftigen Wohlstand gilt es sich jetzt mit dem Thema auseinanderzusetzen. Nicht weil es uns den Himmel auf Erden bringt. Sondern weil es unausweichlich kommen wird.

Dementsprechend braucht es einen Masterplan, der die richtigen Initiativen in Bildung, Forschung und auch Sozialpolitik setzt. Denn nicht nur die heutige Jugend wird davon betroffen sein, sondern praktisch alle Berufstätigen, die noch zumindest 10-15 Jahre arbeiten müssen (Anm.: Wer weiß heute schon, wann er in Pension gehen kann bzw. darf? Hier ein Artikel zum Haareraufen.)

Es gibt schon heute Studien die besagen, dass aufgrund von Industrie 4.0 rund 50 % der heutigen Jobs einfach wegfallen werden. Dass wir in Österreich noch weit weg von dieser Erkenntnis sind, zeigt allein unser Steuersystem. Rund zwei Drittel der Steuereinnahmen stammen aus der Lohnsteuer (=Arbeit).

Man ist Realist genug, um von der Politik hier wenig Substanzielles zu erwarten. Meiner Meinung nach wird in unserer globalisierten und vernetzten Welt die Initiative und der Impuls von der Wirtschaft selbst kommen müssen.

Zum Glück haben wir in Österreich seit kurzem den gesetzlichen Rahmen, um die heimische Wirtschaft mit privatem Kapital zu versorgen. Ein Großteil dieses privaten Kapitals liegt aber unproduktiv und nahezu unverzinst auf Bankkonten.

Zutaten für den wirtschaftlchen Erfolg von morgenDie Zutaten wie Kapital, Know-How, sozialer Frieden und stabile politische Verhältnisse, die Österreich braucht, um sich auch in der computerisierten Welt von morgen behaupten zu können, sind vorhanden.

Nutzen wir sie bestmöglich. Jetzt.

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